Sex bei der WM?

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Für GMX war es eine der Topnachrichten des Tages: “Costa Rica: Kein Sex bei der WM”, während der Spiegel vor kurzem meldete: “WM-Erfolgsrezept: Brasilien setzt auf Sex und Musik”. Alle Jahre wieder: Die WM rückt näher, und rund um den Globus wird von Trainern, Spielern und vor allem den Medien die Frage diskutiert, welche Wirkung Sex vor den Spielen auf die fußballerische Potenz der weltbesten Kicker besitzt.

Es ist ein uraltes Thema, besonders in Deutschland: Schon 1954 erließ Sepp Herberger ein entsprechendes Vergnügungsverbot für seine Schützlinge und wurde mit diesem vermeintlichen Geheimrezept wenig später sensationell Weltmeister. Zwanzig Jahre später stellte Helmut Schön die gleiche Regel auf und holte den zweiten Titel für Deutschland - doch Franz Beckenbauer packte nach dem Triumph aus: “Wir haben uns heimlich mit unseren Frauen getroffen”. Berti Vogts, der deutsche Nationalcoach der neunziger Jahre, war zunächst auch ein Hardliner in dieser Frage, zeigte sich später aber geläutert und sogar ungewöhnlich süffisant: “Sex vor einem Spiel ? Das können meine Jungs halten, wie sie wollen. Nur in der Halbzeit, da geht nichts.”

Das Thema bleibt aktuell, und zwar überall auf der Welt. Bei der WM 2002 hatte Brasiliens Weltmeistercoach seinen Mannen den Leistungskiller erfolgreich untersagt, doch der neue Trainer will davon nichts wissen: “Sex? Der ist immer gut und willkommen!”, diktierte Carlos Alberto Parreira den faktenhungrigen Journalisten ins Notizbuch. Etwas exakter schreibt Mexikos Teamchef die Regeln für die WM 2006 vor: “Der Beischlaf ist bis 48 Stunden vor einer Partie durchzuführen. Es wird zwei Besuchs-Stunden geben, in denen die Spieler frei haben.” Deutschlands Gegner im Eröffnungsspiel, Costa Rica, setzt indes erneut auf vollkommene Enthaltsamkeit - die Spieler murren schon jetzt: “Man muss mit dem Mangel umgehen lernen.“

Natürlich, auch die Wissenschaft streitet mit: Der ehemalige Präsident der Canadian Academy of Sport Medicine, Ian Shrirer, sieht Nachteile für die Kampfmoral, weil “Sex beruhigt und Aggressionen abbaut”, der israelische Sportarzt Alexander Olshanietzky dagegen hat bei den Olympischen Spielen 2000 Frauen mit intensivem Liebesleben “schneller laufen und höher springen” sehen. Es ist schon eine schillernde Diskussion mit zahlreichen skurrilen Randnotizen, die da geführt wird. Ob individuelle Klasse, Taktik und Teamgeist am Ende nicht doch mehr zählen als der sexuelle Befriedigungszustand der Kicker? Es ist nicht auszuschließen. Bleibt also die Erkenntnis, dass Journalisten, die in ihrem Fußballartikel das Wort “Sex” in der Überschrift nutzen, in erster Linie nichts zu sagen haben und auf Effekthascherei aus sind. Gilt diese Faustregel eigentlich auch für Blogger?

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Bandenwärpunk


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